Reet

von Generation zu Generation


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Es ist ein Rohstoff, der immer wieder nachwächst. Darum ist es wichtig, das die Reeternter auch im-mer wieder "nachwachsen".
Mein Großvater hatte früher in Rehm-Flede-Bargen, im Kreis Dithmarschen, in Schleswig-Holstein
einen Landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem auch eine Reetfläche am Mötjensee, von ca. einem Hek-tar gehörte. Dort hat er von Hand, mit der Sichel Reet geschnitten. Anschließend hat er das Reet zu großen Wasserbunden gebunden und auf dem Rü- cken auf das festere Grünland getragen.
Das war mit Sicherheit eine echte Knochenarbeit. Da die Reeternte in den Wintermonaten durchge-führt wurde, war es eine große Erleichterung,wenn es eine lange Frostperiode gab. Dann wurde das Reet mit einem Schieber über dem Eis abgescho-ben. Wenn genügend Reet geschnitten war, wurde es mit Pferd und Wagen nach Hause gefahren.
Dort wurde es dann zum Trocknen in Hocken aufgestellt. Später begann man das Reet von Unrat zu befreien. Damals hat mein Vater in seinen jungen Jahren schon bei der Reeternte geholfen.
Dabei haben wir als Kinder schon ganz interessiert zugeschaut.
Für die Reinigung nahm mein Vater eine abgenut-zte Sensenspitze, die wurde auf einen kurzen Holz-stiel gesetzt und dann durch das Reet gezogen. Natürlich wurde früher auch mal Pause gemacht. Dann legte er sich einfach ins Reet und machte ein Nickerchen. In der Zeit, so um 1965, als mein Vater dann als Reeternter tätig war, gab es schon einen Balkenmäher, der es immerhin schon auf eine Schnittbreite von 1,40 Meter brachte. In dieser Zeit war man mit der Flächenentwässerung schon soweit voran geschritten, so dass so eine Maschine
zum Einsatz kommen konnte. Es war trotzdem noch eine sehr schwere Arbeit. Bei Frostwetter fuhr die
Maschine auf Zwillingsrädern aus Gummi und bei Tauwetter nahm man selbst gebaute Gitterräder, damit man im Morast auch vorwärts kam. Da es nun mit dem Balkenmäher etwas leichter und sch-neller bei der Reeternte voranging, wurden nach und nach ein paar Reetflächen von anderen Reet-schneidern zugepachtet. Diese hatten aus Alters-gründen die Flächen abgegeben. Da die Ernte nun immer größer wurde, brauchte man natürlich auch mehr zupackende Hände. Nach dem Schneiden wurde das Reet nun direkt auf dem Feld von Unrat und geknickten Halmen befreit und anschließend mit einem verzinkten Bindedraht gebunden.
Für diese Arbeit waren mein Onkel, meine Brüder und ich zuständig. Dabei war auch darauf zu ach-
ten, dass die Reetbunde einen Umfang von 80 cm hatten, damit die Reetdachdecker später keine Be-anstandungen hatten. Nachdem das Reet fertig ge-bunden war, wurde es mit dem Tracktor und einem großen Schlitten auf das festere Grünland gebra-cht, dort auf Anhänger gepackt und zum Lager-platz gefahren. Ca. 1985 wurde eine weitere Reet-fläche in Stelle-Wittenwurth, am Steller See dazu gepachtet. Diese Fläche war so groß, das 1988 zum ersten Mal eine große Reeterntemaschine aus Holland bei meinem Vater zum Reetschneiden in Einsatz kam. Diese Maschine schnitt das Reet und konnte es gleichzeitig bündeln. Man brauchte die Reetbündel nur noch auf der hinteren Ladefläche
zu stapeln. Wenn ca. 150 Bündel auf der Maschine lagen, fuhr diese wieder auf das festere Land und
kippte die gesammte Ladung ab. Dort wurde das Reet mit großen Planen abgedeckt, damit es vor Regen geschützt war. Wenn das Wetter es zuge-lassen hatte, wurde das Reet vor Ort gereinigt und gebündelt. Die Maschine brachte insofern eine ge- waltige Arbeitserleichterung, da man nicht mehr im teilweise knietiefen Morast stehen mußte. Meinem Vater kam nun die Idee es könnte noch einfacher gehen das Reet zu reinigen. So baute er sich dann eine Reetreinigungsmaschine. Wir nan-nten sie "Erwins Putzmaschine". Seit ca. 1994 kommt mittlerweile eine Reetvollerntemaschine zur Reeternte. Diese Maschine reinigt das Reet direkt nach dem Schneiden und bündelt es anschließend.
Auf der Ladefläche wird das Reet gestapelt und mit ca. 200 Bunden Reet, zu einem großen Paket ver-
schnürt. Die Ladefläche ist so groß, das darauf zwei Pakete Platz finden. Das hat den Vorteil, dass die Erntemaschine gleich weiter schneiden kann und so keine Leerfahrten entstehen. Wenn die Ma-schine voll ist, fährt sie auf eine Rampe und kippt die Pakete auf große Anhänger mit denen das Reet anschließend zum Lagerplatz transportiert wird. Dort wird das Reet dann in den offenen Lager-hallen gelagert. Nun muß das Reet nur noch auf den Umfang von 60 cm gebunden werden. Die Reetfläche am Mötjensee hat mein Vater im Jahr 1996 aufgrund der zu großen Vernässung durch den Naturschutz, die eine Ernte fast unmöglich
machte, aufgegeben. Als mein Vater 2001, im Alter von 61 Jahren, plötzlich verstarb, übernahm ich
die Aufgabe als Reeternter. Ich ernte nun seit dem Winter 2001 in der dritten Generation Reet und es hat sich wieder etwas geändert. Ich binde das Reet nicht mehr mit dem verzinkten Bindedraht, sondern mit einer halbautomatischen Umreifungsmaschine. Diese Maschine bindet das Reet mit einem 10 mm breiten Kunststoffband.
Anschließend wird das Reet in einer Form mit je 80 Bunden zu einem Rundpaket gestapelt und mit Stahlband umreift. Das hat wiederum den Vorteil, das man später nicht mehr jedes Bund einzeln verladen muss. Das Reet bleibt nun so lange in den Hallen, bis der Reetdachdecker sich meldet.
Er gibt mir Bescheid, wie viel kurzes und langes Reet er für sein Objekt braucht. Das Reet liefere ich
dann zum Lagerplatz des Dachdeckers oder aber direkt auf die Baustelle.
Mein Sohn ist 3 Jahre alt und er schaut mir auch schon interessiert beim Reetbinden zu. Vielleicht wird er ja mal Reeternter in der vierten Genera-tion.