Reet



Es ist ein Rohstoff der immer wieder nach- wächst. Die Rede ist hier von Reet, oder aber auch Ried oder einfach Schilf genannt. Reet ist ein Schilfrohrgewächs aus den Uferzonen der Seen und Feuchtgebiete. Es ist eine Pflanze aus der Familie der Gramineen, lateinisch auch Phragmites communis genannt.
Durch das Wachsen im Wasser enthält es eine Menge Silizium, wodurch es eine gute Wetterfestigkeit aufweist.
Die Reeternte wird in den Wintermonaten bis Mitte März durchgeführt, wenn der Halm reif
ist, dem Verlust seiner Blätter, dem erreichen seiner höchsten Festigkeit und der typisch gelb- lichen bis braunen Farbe.
Die Reethalme werden über dem Boden ( Wasseroberfläche ) zwischen dem ersten und dritten Wachs-tumswirbel geschnitten, sodass im Frühjahr die neuen Triebe wieder ungehindert wachsen können.
Die Ernte und das spätere Bündeln der Reethal-
me bedeutet auch heute noch echte Handarbeit, wobei der Einsatz durch Reeterntemaschinen schon eine Erleichterung bringt. Das Reet muss frei von Gras und Knickhalmen sein. Der Halm muss hart sein, darf beim Biegen aber nicht brechen und muss sich wieder zurückstellen.
Diese Voraussetzungen ergeben eine hohe Qualität. Es ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Seit Jahrtausenden hat sich das Reetdach in seiner Art kaum verändert. Die hohe Lebensdauer von mindestens 50 Jahren und seine im naturnahen Bau wieder sehr gefragten Eigenschaften, wie z.B. atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, im Winter wärmend, im Sommer kühlend, frei von Chemie und Frostbeständigkeit, machen Reet wieder zu einem begehrten Dachmaterial. Man kann also von einer Renaissance des Reetdaches sprechen.
Die Wärme und Geborgenheit eines schönen Reetdaches strahlt auf das gesamte Bauwerk aus. Ein Naturbaustoff, ganz besonders inte- ressant für den ökologischen Hausbau.
Leider werden in Deutschland nur noch ca. 20% des Dachmaterials geerntet. Arbeitslöhne und Natur- schutz haben ihren Teil dazu beigetragen, dass zum größten Teil das Reet aus dem Ausland importiert wird. In der Qualität steht unser heimisches Reet, dem aus anderen Regionen nichts nach. Daher bin ich der Meinung, dass das bei uns geerntete Reet auch auf unsere Dächer gehört, weil es sich schon während des Wachstums unserem Klima anpasst.